Zàijiàn Zhōngguó - 再见 中国 - Tschüss China!

16Dez2012

Liebes China,

nun ist es soweit. Wir müssen Abschied nehmen voneinander. Wir hatten gute und schlechte Zeiten miteinander. Du hast uns Deine hässliche und Deine schöne Seite gezeigt.

So werde ich immer in Erinnerung behalten, wie freundlich wir hier und ganz besonders Mathilda behandelt wurden. An einem unserer letzten Tage hier liefen wir durch "unsere" Xixi Lu. Erst begegneten wir der Frau aus der Goldfischbude mit ihrem paarmonate altem Sohn, die uns wie immer von der anderen Straßenseite zuwinkte. Ein paar Meter weiter trafen wir Herrn Wang aus dem Büro, der, wie immer, Mathilda erstmal herzlich begrüßte und hochhob, was sie sich weißgott nicht von jedem gefallen läßt. Dann entdeckte Mathilda in einem Obstladen Erdbeeren (im Dezember!) und allen waren begeistert, als sie cǎoméi rief und lachten sie an. Vorbei ging es an der Sesamnudelbude, wo wir meistens Mittagessen waren. Dort grüßte die Besitzerin und winkte freundlich zu uns herüber. Schließlich holte uns die Frau mit dem Baby vom Anfang der Straße ein und begleitete uns ein Stückchen. Das war sooo nett, so viele freundliche Menschen zu treffen! Und das alles mit unseren mehr als rudimentären Chinesischkenntnissen.  

Dafür möchte ich mich bei Dir entschuldigen. Es ist mir leider nicht gelungen, Deiner Sprache auch nur annähernd näher zu kommen. Ich ärgere mich sehr darüber. Aber es will einfach nicht in meinem Kopf bleiben. Es verweilt dort höchstens ein paar Stunden und sobald ich eine Nacht darüber geschlafen habe, haben sich die Synapsen wieder zurückgebildet. Sollten wir uns nochmal begegnen, werde ich mich besser vorbereiten, versprochen. 

Entschuldigen möchte ich mich hier auch gleich bei Herrn Wang und Scott, deren chinesische Namen ich mir bis heute nicht merken kann. Peinlich, ich weiß. Es muss etwas Genetisches sein, denn ich kann mir doch sonst auch wirklich JEDEN Namen jedes Provinzschauspielers merken, ob ich will oder nicht. Aber hier, keine Chance. Daher: Duìbùqǐ - 对不起 - Entschuldigung vielmals!

Ich werde viele Dinge nicht verstehen, aber wer behauptet, Chinesen verstehen zu können, tut es eh garantiert nicht. Ich werde nicht verstehen, wieso es verpönt ist, am Tisch die Nase zu schnäuzen (und das bei noch so scharfem Essen), aber sich jeder auf den Tisch spuckend seiner ueberfluessigen Essensreste wie Knochen entledigt, lauthals schlürft (ja, die heisse Suppe isst man so leichter und man schmeckt auch mehr, trotzdem...) und auch mal herzhaft rülpst.

Ich werde es nicht verstehen, warum man sich manchmal das Leben selbst schwer macht, obwohl es für alle leichter wäre, wenn man dem anderen einfach mal den Vortritt lassen könnte. OK, bei 1,3 Mrd. kommt man eben ganz schnell unter die Räder, wenn man nicht die Ellenbogen ausfährt. Und so wird weitergehupt werden und Lichthupe am Zebrastreifen gegeben, statt anzuhalten, an der Obstwaage vorgedrängelt und im allerallerschlimmsten Fall nicht Platz gemacht für den Krankenwagen im Stau. Und das ist nicht hypothetisch. Das ist bittere Realität. Wir haben es gesehen. 

Du hast es uns nicht immer leicht gemacht. Aber ich will mich an Deine schönen Seiten erinnern. An Hongkongs dreckige Lebensfreude und atemberaubende Skyline, die riesigen Schmetterlinge, den Strand bei 31 Grad im Oktober, pulsierendes Leben auf dem Nachtmarkt, pinke Libellen, köstliches Essen, Deine "Alles geht"-Mentalität, Feilschen im Shanghaier Fakemarket, Deine Liebe zum Kitsch bis an und über die Schmerzgrenze hinaus. 

Vielleicht sehen wir uns mal wieder.

Ich werde Dich auf jeden Fall im Auge behalten! 


Alltagsphysik in China

25Nov2012

Gestern haben wir es bei sonnigem Wetter mal wieder zum Botanischen Garten geschafft. Simone hat im Hinblick auf unsere baldige Rückreise angefangen, besondere Eindrücke per Foto festzuhalten.


Ein Foto, das gestern entstanden ist, zeigt ein sehr typisches Bild im chinesischen Stadtverkehr: Kinder, die die Autofahrt freudestrahlend durch das offene Schiebedach genießen.

  Oft gesehen. Kinder genießen die Fahrt durch das offene Schiebedach.

Der Gedanke an das Bild lässt mich seit gestern nicht mehr los, und es hat sich bei mir geradezu ein Missionierungsbedürfnis entwickelt. Ich hole noch etwas weiter aus.

In China ist es sehr ungewöhnlich, sich während der Autofahrt anzuschnallen. In einem Taxi sucht man im Fond meist vergeblich nach den Anschnallgurten. Die sind unerreichbar unter den weißen Schonbezügen verbuddelt.  Auf meine Nachfrage „Warum sich hier keiner anschnallt“ sagte Calvin mal, dass man in der Stadt ja nicht schnell fahre.

Doch zurück zu den Kindern im Auto. Kinder haben hier den höchsten Stellen- und Kindersitze im Auto den höchsten Seltenheitswert. Ich habe den Gebrauch eines Kindersitzes hier bisher dreimal (!) beobachtet.

Immer noch das Bild von den Kindern aus dem Schiebdach vor Augen, habe ich mich heute Morgen beim Abwaschen an mein Studium erinnert. Eine auf 50 km/h beschleunigte Masse hat die gleiche Energie, wie eine Masse, die in 10 m Höhe über dem Boden hängt. Wenn wir also das Bild von gestern um 90° drehen, sieht das so aus:

No risk no fun.


Ich glaube nicht, dass die Eltern auf die Idee kämen, ihre Kinder könnten sich in dieser Vertikalsituation doch einfach mal aus dem Schiebedach strecken. Insbesondere, wenn ein nicht unerhebliches Risiko besteht, dass sich der Haken löst, an dem ihr 3er BMW 10 m über dem Boden hängt. Aber 50 km/h ist ja nicht schnell!

Folgender Song, den Simone heute gefunden hat, passt sehr gut.
Dumb ways to die, so many dumb ways to die. (sing)

Ich ziehe für mich folgende Schlüsse.

  • Ich werde unnötige Taxifahrten vermeiden. Und wenn notwendig, schnalle ich mich auf dem Beifahrersitz an und achte darauf, dass niemand unangeschnallt hinter mir sitzt.
  • Ich werde morgen Calvin, meinen chinesischen Kollegen, und allen anderen jungen Eltern, die ich hier kenne, anhand dieses Blogeintrages erklären, warum 50 km/h doch schnell sind.
  • Ich werde meinen Schwager Kai fragen, der bei BMW arbeitet, ob es nicht eine ehrenwehrte Aufgabe für seinen Arbeitgeber sei, bezüglich „Anschnallen im Auto“ missionarisch in China zu werden. Nach dem Motto BMW ist dynamisch, sportlich und um das Wohl seiner Bestands- und Zukunftskunden besorgt.

Dinge, die ich...

17Nov2012

... aus Deutschland vermisse:

  • sich aufs Gehör im Straßenverkehr verlassen können
  • Herd mit Ofen -- backen können
  • trinkbares Leitungswasser
  • erstaunlich selten bis gar nicht den Fernseher
  • eine Tiefkühlpizza im Kühlschrank zu haben
  • diverse Lebensmittel natürlich
  • Abendbrot
  • schöne Spielplätze

 

...vermissen werde, wenn wir wieder in Deutschland sind:

  • Spülmittel, das nach Ingwer riecht
  • kühlendes Deo - fühlt sich an wie zwei große Eiswürfel unter den Armen
  • freundliche und lachende Menschen, vorallem, wenn sie Mathilda sehen
  • Gasflammen, die ordentlich Feuer unterm Wokhintern machen können
  • die chinesische Kaschemme, in der wir gerne abends essen gehen
  • Eis für nen Appel und ein Ei
  • das Shopping-El-Dorado taobao.com
  • die chinesische Logistik. Alles geht. Bestellungen sind am nächsten Tag da.
  • so oft und günstig essen gehen zu können
  • den Duft von Osmanthusblüten in der Luft
  • Palmen vorm Fenster

 

...nicht vermissen werde, wenn wir wieder in Deutschland sind:

  • Sinnlosgehupe
  • Hangzhous Taxifahrer
  • Stinktofu
  • der üble Geruch in der Fleischabteilung bei Walmart
  • gechlortes Wasser
  • Paparazzi
  • Kakerlaken
  • muffigen Geruch im Bad
  • beim Wassermann anrufen zu müssen, um frisches Wasser zuhause zu haben
  • Analphabet zu sein

...to be continued...

Hefang Lu und Himalaya-Viagra

05Nov2012

Was??? Der letzte Eintrag ist schon so lange her?

Waaas??? Nur noch vier Wochen??? Und dann ist das China-Abenteuer zumindest für Mathilda und mich schon vorbei. Seit wir nach unserem Heimaturlaub im August wieder in China sind, hab ich ein ständiges Abschiedsgefühl und es wird immer aufdringlicher. "Ich muss dort nochmal hin und das nochmal essen und hier fotografieren und das kaufen..." Und die Zeit fliegt. 

Wir hatten zwei Wochen Besuch von meiner Schwester und ihrem Freund und ein paar Tage von einer Freundin. In der Zeit haben wir das komprimiert angeguckt, was Sönke und ich in den Monaten davor mühsam für besuchenswert erarbeitet haben und haben das Langweilige links liegen lassen. Darüberhinaus haben wir noch so einige Orte entdeckt, die wir ohne Besuch aus Deutschland nicht gesehen hätten, weil wir uns in den heißen Sommermonaten nur in klimatisierten Räumen verkrochen haben und mit Mathilda einfach die Menschenmassen meiden und die sind nun mal überall dort, wo es schön und sehenswert ist. Wir waren im Alten kaiserlichen Drachenbrunnenteegarten, im Lingyintempel mit seinen riesigen Buddhastatuen, auf der Leifengpagode und haben den Westsee mal von oben gesehen. Wir sind in Shanghai mit 9 Metern pro Sekunde im Fahrstuhl den Wolkenkratzer hochgesaust und haben die Stadt aus 340 Metern Höhe bestaunt. Wir sind in Hongkong auf der längsten Rolltreppe der Welt gefahren und haben im Oktober bei 31 Grad im Meer gebadet. 

Ich habe gefühlte 2349642042 Fotos gemacht und komme einfach nicht hinterher. Hinzu kommt, dass das Internet merklich lahmer wurde, kurz bevor der Par tei-tag in Peking anfing. Ausserdem zeigt mir die Internetseite, auf der ich meine Fotos hochlade, nicht immer alles an und somit kann ich die Fotos nicht sortieren und kommentieren. Stirnrunzelnd

Hier habe ich es immerhin versucht:

河坊街 = Hefang Lu = Hefang Straße

Eines muss ich noch dazu erzählen:

Ich habe schon einmal von der Hefang Lu geschrieben. Dort gibt es Häuser aus der Song-Dynastie oder zumindest die Nachbauten davon. Es ist ja nichts wirklich alt. Eine Straße, in die jeder Tourist muss, um sich die Teeläden, Herstellung von Süßigkeiten, Kunsthandwerker wie Glasbläser, Stempelmacher oder Tellergraveure anzusehen. Manche fertigen aus flüssigem Zucker die Tiere des chinesischen Horoskops oder schnitzen aus Eierschalen kleine Kunstwerke. In einer Seitenstraße gibt es alles, was man essen und nicht essen möchte in China, aber seht selbst die Fotos in der Fotostrecke an. Es ist bunt und laut und voll. That's China. Hier gibt es auch die uralte Apotheke, in der alles Mögliche (Blumen, Wurzeln, Blätter, Blüten, Knochen, Tiere...) getrocknet, pulverisiert und zusammengerührt wird, um jedes menschliche Leiden zu eliminieren. Beispiel?

Dies hier ist Jartsa Gunbu, der chinesische oder auch tibetische Raupenpilz. Jartsa GunbuWörtlich heißt Jartsa Gunbu "Sommergras-Winterwurm". Ja was ist es denn nun? Eine Pflanze oder ein Tier? Es ist beides. Das Kuriose: Erst ist es eine Raupe, die irgendwann im Sommer von Sporen befallen wird. Im Inneren der Raupe wird aus der Spore ein Pilz, saugt die Energie aus dem Gewebe der Raupe und übernimmt irgendwann die Kontrolle über sie. Der Pilz dirigiert die Raupe einige Zentimeter unter die Oberfläche. Dort werden im Winter alle Organe zu Wurzeln und im Frühling sprießt aus dem Kopf der Raupe der neue Keim, aus dem sich ein Pilz entwickelt, der wieder Sporen aussendet, um die nächste Raupe zum Zombie zu machen. Freaky! Jartsa Gunbu kommt in Höhen zwischen 3000 - 5000 m in Tibet und im Himalaya vor und wird auch Himalaya-Viagra genannt, womit wir nun auch wissen, wozu es gut sein soll. Außerdem kann er noch Energie und Vitalität steigern, Muskeln werden aufgebaut, Herz-Kreislaufsystem gestärkt, das Leben verlängert und die Steuererklärung gemacht. Falls jetzt jemand denkt, ich hätte das perfekte Mitbringsel für ihn: Das Kilo kostet zwischen 15000 und 40000 EUR. 

Alltäglicher Wahnsinn IV

02Okt2012

Schnell ein paar Kleinigkeiten aus unserem Alltag:

Mit Sönkes Arbeitskollegen Florian, der auf Dienstreise in China war, waren wir im "The lucky kitchen", ein neues Restaurant bei uns um die Ecke. (Dort, wo mal ein Autofahrer in die Fensterscheibe fuhr, weil er nicht ausparken konnte.)

Wir waren etwas unsicher, ob wir bestellen können, denn als Sönke dort mal geschäftlich essen war, hatte er keine Bilder von den Speisen an der Wand gesehen wie es sonst manchmal vorkommt und es gab nur chinesische Menükarten. Englisch spricht ja kaum jemand hier. Damals hatte ein chinesischer Kollege bestellt.

Aber so wählt man heutzutage in China sein Essen aus: Legen die uns ein iPad auf dem Tisch! Das ist mal ein Service für uns Chinesischanalphabeten. Und lecker war es auch noch. Es gab z.B. Wachsbeerensaft., süß-saure Eier-Tomatensuppe, gebratene Ente, frischer Limoneneistee, sehr scharfe Pilze, gebratener Brokkoli, und süß-saure Schweinerippen mit Kumquats.

 

Das gibt es manchmal mittags: Links eine Tomaten-Eiersuppe, Mitte: eine Soße aus braunem Essig und in Sojasoße eingelegtem Schnittlauch. Man kann auch noch Chilischoten reinrühren. Darin tunkt man die Dumplings rechts. Das sind eine Art Ravioli mit unterschiedlicher Füllung, z.B. Schweinefleisch, Rindfleisch, Bambus, Shrimps, Tomate-Ei, grüne Paprika.

Neulich im Compound...Ich war zu perplex und schüchtern, noch näher ranzugehen, aber die Dame mit ihrem noch quicklebendigen Abendessen in der Hand musste ich doch ablichten.

Obwohl es 3000 offizielleTaxis in Hangzhou gibt und wahrscheinlich noch einmal soviele "Black cars", kommt es vor, daß man keine Fahrgelegenheit bekommt. Für Sönke und Calvin war dies hier vor ein paar Tagen die einzige Möglichkeit, von der Visaverlängerungspolizeistation wieder zurückzukommen. Höllenlaut und nichts für geschädigte Bandscheiben, aber in jedem Fall schneller als das Taxi, denn Staus kann man damit geschickt auf der Fahrrad- und Rollerspur umfahren. 

Alltäglicher Wahnsinn III

09Sept2012

  • Chinesen können immer und überall schlafen. In der Kiste ihres dreirädrigen Fahrrads, in der alltäglichen Mittagspause auf dem Büroschreibtisch, auf Parkbänken sowieso. Ich habe gehört, daß es auch sehr beliebt ist, es sich bei IKEA in den Betten und sonstigen Liegemöglichkeiten bequem zu machen und ein Nickerchen zu halten. Nachdem ich gesehen habe, dass fünf Leute auf den ausgestellten Liegestühlen bei Walmart im Gang bzw. im Regal lagen und ein Buch lasen oder schliefen, glaube ich das gerne.

ChhrrrrrrrzzzzZZZZZzzzzzcchhrrrrrr

  • Chinesische Männer tragen die Handtaschen der Frauen und wenn sie noch so pink sind.
  • Chinesen vertragen keinen Alkohol. Spätestens nach dem dritten Bier kippen sie vom Stuhl, da vielen das Enzym zum Alkoholabbau fehlt. Und dabei enthält das chinesische Bier nur geringfügig mehr Alkohol als Apfelsaft. Oft wird man gefragt, wieviel Bier man verträgt. Scheint wohl irgendwie zu imponieren. Ist man zusammen im Restaurant, trinkt man nie alleine. Das wäre unhöflich. Sondern man stößt immer mit jemandem an. Dabei fordert man den anderen mit "Ganbei" heraus, was wörtlich heißt "Trockne das Glas" und diese Aufforderung ist auch so in die Tat umzusetzen, also auf ex. Man trinkt zwar nur aus kleinen Plastikbecherchen, jedoch wird man auch permanent zu einer Plastikbechertrocknung aufgefordert.
  • Chinesinnen haben schöne Haare. Und das trotz des gechlorten Wassers. Während meine Haare sich zwiespalten, zu Berge stehen und ich aussehe wie Ronja Räubertochter, sehen die Haare der Chinesinnen immer gesund aus und fallen wasserfallartig über ihre Schultern. Gemein!
  • Chinesische Matrazen sind stahlhart. Dabei sind sie 30 cm dick und sehen aus, als könnte man darin in die schönsten Träume versinken. Als ich mich das erste Mal auf unser Bett legte, war ich total geschockt. Wie soll ich das ein Jahr lang aushalten??? Man könnte auch auf dem Boden schlafen, wäre kein Unterschied. Wir haben uns noch eine Auflage geholt, aber die brachte auch nicht besonders viel. Der Schmerz hörte halt einfach irgendwann auf. Inzwischen liegen noch zwei Decken darauf und ich komme mir wie die Prinzessin auf der Erbse vor. Ich sag mal so, man kann darauf schlafen, ohne am nächsten Tag blaue Flecken zu haben.
  • Mickey Mouse und wer?

Mickey Mouse and Tang - so heißt Donald Duck in China. Mickey Mouse ist irgendwie ...ehm, gelber als bei uns.

  • Chinesen haben keine Kinderwägen. Ab und zu sieht man mal welche in einem Buggy (in denen dann leider auch so kleine Babys sitzen oder liegen, die dafür noch gar nicht geeignet wären, aber ich bin hier ja nicht auf Mission), aber so Kinderwägen, in die man Neugeborene und Babys durch die Gegend spaziert wie bei uns, sieht man hier überhaupt nicht. Man trägt die Babys. Aber nicht mit einem Tragetuch oder Ähnlichem. Ein Tragetuch hab ich genau einmal bisher hier gesehen und das sogar von einem Mann getragen -> cool! Hier tragen meistens die Großeltern ihre Enkelkinder und zwar auf dem Arm herum. Eine Mutter wird drei Monate nach der Geburt von ihrer Familie (oder der ihres Mannes) umsorgt und fängt dann wieder zu arbeiten an. Die Kinder werden dann von den Großeltern betreut. Manches Kind hat deshalb zur Großmutter ein besseres Verhältnis als zur Mutter. Ich weiß nicht, wie die das schaffen, das Kind ständig herumzutragen. Das hätte mein Rücken nach drei Metern nicht mehr mitgemacht.

That is China.

08Sept2012

Hier mal wieder ein Eintrag vom Herrn des Hauses:

So, nun sind wir nach drei Wochen Deutschland fast eine Woche wieder hier. Der Schritt in den Flieger fiel uns nicht so leicht. Das Ankommen in Hangzhou war dann aber doch recht schön.

Mathilda lebt noch in der deutschen Zeit. Wir freuen uns, dass die Temperaturen hier jetzt unter der 30°C Marke liegen.

Gestern Abend habe ich Mike kennen gelernt auf einer chinesischen Trance-Techno-Party. Erfrischend war, dass dort Leute mit langen Haaren, Ohrringen und ausgefallender Kleidung zu sehen waren. Mike ist auch seit einem halben Jahr in Hangzhou. Er ist Taiwanese und war die letzen 5 Jahre in London. Ich erzählte ihm, dass ich tagsüber versucht habe, einen Pudding an die Wand zu nageln. Sein Kommentar: That is China. So ist es!

Ein zweiflammiger Gasherd ist China auch. Das Ding liebe ich. Wenn ich den Wok an ihm schwinge, reiß ich mir die Klamotten vom Leib. Das spart Wäsche.

Und seht Euch das an! Mathildas Kommentar: Feuerwerk. Mein Kommentar: That is China. Geil!

Geiler Gasherd 1 Geiler GAsherd 2 Geiler Gasherd 3 Geiler Gasherd 4 Geiler Gasherd 5

Ready for take off?

31Aug2012

Sonne auf den Bauch scheinen lassen

Füße in den warmen Sand gesteckt

Quallensuppe an Muschelrisotto und Sandkuchen gekocht

Getauft, gefeiert, gegrillt, Geburtstag gehabt, gut gehen lassen, geschmökert, genossen

Tag & Nacht Fenster offen gelassen

Tief eingeatmet

Heimat aufgetankt

Familie und Freunde umarmt

Koffer gepackt ...X (sind ja noch ein paar Stündchen Zeit)

Warm, wärmer, Joghurt

05Aug2012

Hier schmeckt ja einiges anders, vornehmlich süß: Mayonnaise, Toast (wenn man die falsche Packung erwischt, ist er gelb, weil aus Mais hergestellt) oder auch Joghurt. Joghurt scheint so ziemlich das einzige Milchprodukt zu sein, daß Chinesen vertragen können. Es ist jedenfalls das einzige, was es im Supermarkt an Milchprodukten zu bekommen gibt, sieht man mal von Milch an sich und einer winzig, winzig kleinen Ecke ab, in der es amerikanische Butter, Schaiblettenkäse und deutschen Emmentaler gibt (das ist aber auch nicht immer erhältlich). Und Kinderschmelzkäse mit Vanille- oder Erdbeergeschmack. 

Frischkäse, gekörnter Frischkäse, Molke, Quark, Kräuterfrischkäse, Kräuterbutter, Dickmilch, Sahne, Schmand, Creme fraiche, Sauerrahm, Parmesan, Gouda, Mozzarella, Gorgonzola, Buttermilch, Pudding -- alles Dinge, auf die wir im Moment verzichten, also auch Tiefkühlpizza, Lasagne oder Kuchen. Kuchen ist hier manchmal eher das, was wir unter einem Milchbrötchen verstehen und woraus manche Creme auf Torten besteht will ich lieber gar nicht wissen..

Damit aber vorallem Mathilda ihre Portion Kalzium abbekommt, kaufen wir den süßen Joghurt ab und zu. Es widerstrebt mir aber eigentlich, weil er eben so süß schmeckt, auch wenn manche Personen behaupten, es wäre kein Zucker drin. Und andererseits, weil man so viel Müll produziert. Mathilda schlürft gern mal vier Joghurts hintereinander. Schlürfen, weil es weder "gerührten", noch "stichfesten" Joghurt gibt. Alle sind so flüssig, dass sie mit Strohhalm verkauft werden. Man kann den Deckel nicht abziehen und stößt nur den Strohhalm durch und kann die Becher dann nicht ineinander stapeln. Das heißt, vier leere Joghurtbecher = Mülleimer halb voll.

Vor längerem schon haben mich nette Menschen auf die Idee gebracht, Joghurt selbst zu machen. Dazu braucht man ja nur Milch kochen, etwas abkühlen lassen, einen Becher Joghurt rein, in abschließbare Behälter und in einem Wasserbad einige Zeit warm halten. Ich hab immer wieder das Wasser ausgetauscht, damit es über eine längere Dauer warm bleibt Der erste Versuch gelang und schmeckte, war aber von honigartiger Konsistenz.

Ich habe nun endlich einen Punkt gefunden, dem unerträglich feucht-heißem Wetter etwas Positives abzugewinnen: Ich kann gänzlich aufs Wasserbad verzichten. Ich hab die Schüsseln einfach in den verglasten Balkon gestellt, in dem es warm wie in einem Brutkasten ist. Nach zwei Stunden fand ich dort fertigen Joghurt, sogar stichfest. Einfacher geht's kaum.

Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die einen hier erfreuen. Zwinkernd

Ich könnte am Balkon auch mal Niedriggaren ausprobieren oder Beef Jerkey trocknen. Wir haben ja keinen Ofen. Oder wir verwandeln ihn schlicht in unseren Saunabereich. Oder eine Aufzuchtsstation für kleine Tierbabys. Oder ich lege mir eine Kakteensammlung zu. Mal sehen.

Durchzählen!

04Aug2012

Neulich im Aufzug....

 

Die Zahl "4" = sì hört sich im Chinesischen so ähnlich an wie das Wort für Tod = sǐ, daher will niemand im 4. oder 14. Stockwerk wohnen, auch nicht in der 13. Etage. So eine Wohnung würde hier niemand kaufen oder bewohnen wollen, höchstens ein bekloppter Wessi. Auch "7" und "10" sind Unglückszahlen, aber wenn man die Stockwerke auch noch alle weglassen würde, bliebe ja kaum was übrig. Wir müssen auf die "2" drücken, um zu unserer Wohnung zu gelangen, was in Deutschland der 1. Etage entspricht. Ich glaube, das ist ein ganz gutes Stockwerk, ein neutrales jedenfalls. Allerdings wohnen wir in Nummer 204. Eine Zimmerzahl, die auf eine Vier endet, gibt es in den chinesischen Hotels erst gar nicht, auch nicht im achten Stock. Acht ist die absolute Glückszahl in China. Im achten Stock will jeder wohnen (außer in Zimmer 804 oder 814 oder 824, 834,..).  Cool "Acht" (= "ba") hört sich nämlich so ähnlich an wie "Reichtum" (= "fa"). Die olympischen Spiele in Peking wurden daher um acht Uhr abends am 08.08.2008 eröffnet.

Man kommt hier also ziemlich einfach an Telefonnummern mit ganz vielen Vierern. Will man hingegen ein Autokennzeichen mit vielen Achtern, darf man bis zu fünfstellige Summen  auf den Tisch legen!

Um dem Verkehrsinfarkt etwas vorzubeugen, hat die Stadt Hangzhou festgelegt, daß die Autos mit einer "1" am Ende am Montag erst ab 9 Uhr und nicht zu den Stoßzeiten fahren dürfen. Autos mit der "2" am Ende dürfen dann nicht dienstags zur Rush-Hour fahren, "3" mittwochs nicht usw. Donnerstag fahren dann alle, denn niemand hat eine "4" am Ende des Kennzeichens. Lachend

Möchte man sich also bei Chinesen unbeliebt machen, lädt man sich an einem Monatsvierten vier Gäste ein und serviert ihnen nicht acht, sondern vier Kostbarkeiten.

Wer das macht, ist bei den Chinesen eine "250".

250 = èrbǎiwǔ = Idiot, Trottel

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